Martha Strasser

Martha Strasser

Eine deutsche Kaufmannsfamilie in Wuhan/China

„Ich fühlte mich noch immer sehr verbunden mit dem Land China und seinen Menschen, da ich mich als Kind bis zum 14. Lebensjahr dort sehr wohl gefühlt habe. Meine Eltern haben mir durch ihre Haltung und christliche Zuwendung zu allen Leuten in ihrer, unserer Umwelt vorgelebt, wie ein friedliches Zusammenleben fremder Rassen und Kulturen möglich ist. Ich bin dreisprachig aufgewachsen: Deutsch sprachen wir in der Familie, die Nachbarskinder sprachen nur Englisch und von unserer Amah lernte ich schon mit drei Jahren Chinesisch.“

Martha Strasser erzählt von ihren Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend in Wuhan/China. Sie kommt damit vor allem ihrem Wunsch nach, ihren Kindern und Enkeln das Leben der Urgroßeltern Klein aufzuzeigen, die sie nie kennengelernt haben.

Nach der Erkrankung ihres Mannes an Kehlkopfkrebs veränderte sich ihr Leben grundlegend. Sie wurde Gründungsmitglied des Bayerischen Kehlkopflosenvereins und widmete sich von nun an der Arbeit mit Laryngektomierten. In diesem Zusammenhang unternimmt sie unter anderem Reisen nach China, um dort sowohl ihr Wissen weiterzugeben als auch auf den Spuren ihrer Vergangenheit zu wandeln.


Informationen

Softcover
215 Seiten, 157 Abbildungen
14,7 x 19,9 cm
ISBN 978-3-940061-31-7

28 EUR

Mehr über Martha Strasser



Pressemitteilungen

das neue China, Nr. 2/Juni 2010

Zeitzeugin aus Hankou


Ich drängelte mich mal wieder zwischen Cosplayern und Bücherwürmern durch die Verlagsstände auf der Leipziger Buchmesse, als mein Blick auf einen roten Buddha fiel: Chinesische Schriftzeichen und der deutsche Buchtitel „Eine deutsche Kaufmannsfamilie in Wuhan“ machten den mich umgebenden Lärm, das Geschiebe und gelegentliche Piekser mit den großen bunten Papptüten der ARD vergessen. Ich blätterte in dem mit zahlreichen Abbildungen versehenen Band, wie in einem Familienalbum. Das in den letzten Jahren noch gestiegene Interesse an Geschichte und Geschichten aus erster Hand hatte die Autorin Martha Strasser und den auf Geschichtsbücher spezialisierten August Dreesbach Verlag zusammengeführt. Sie ist eine jener Zeitzeugen, die es nicht mehr lange geben wird. Martha Strasser wurde in Hankou geboren und verbrachte hier die ersten 14 Jahre ihres Lebens. Martha Strasser berichtet im ersten Teil des Buches über ihre Kindheitserinnerungen und das Schicksal ihrer weit verzweigten Familie. So schildert sie ausführlich, wie ihre Eltern nach China kamen und sich dort kennenlernten. Ihr Vater, Otto Klein, wurde 1908 mit nur 20 Jahren als kaufmännischer Vertreter der Hamburger Firma Fuhrmeister und Co. nach China geschickt. (...) Ihre Mutter, Augusta Klein, entstammt einer deutschen Familie, die 1889 nach Amerika ausgewandert war. Sie wurde Ärztin und ging 1914 für die Yale Mission zunächst nach Nanjing, später nach Changsha. Um einen kleinen Bullerofen aufzutreiben, wurde sie an Otto Klein in Hankou verwiesen. Sie verliebten sich und 1917 fand in Hankou die Hochzeit statt. 1921 wurde Martha als jüngste von drei Schwestern geboren. 1927 kam noch ein Brüderchen zur Welt. Die Familie hatte sich 1921 außerhalb der Stadtgrenzen mit Hilfe eines deutschen Architekten ein Haus gebaut. Martha besuchte die Kaiser-Wilhelm-Schule in Hankou, schildert die Spiele der Kinder im Garten und Alltagserlebnisse. (...) Die heißen Sommer verbrachte die Familie in Kuling, einer Sommerfrische hoch über dem Yangtse bei Jiujiang, wo die Familie Klein ein stabiles Steinhaus hatte errichten lassen. Zu ihren letzten Erinnerungen an China gehörte ihre Flucht nach Wuchang. (...) In eben jenen Momenten – wenn man kleine Mosaiksteinchen in das Gesamtbild „Deutsches Leben in Hankou“ einfügen kann, weil in anderen Publikationen oder den erhaltenen Akten die gleichen Namen auftauchen und trockene Aktenberichte sich auf einmal mit Leben füllen, macht das Buch Spaß. Vorausgesetzt man hat Spaß daran, sich als Hobbydetektiv zu betätigen. Und vorausgesetzt, man hat sich schon einmal mit dem Thema beschäftigt. (...) Martha Strasser schildert an mehreren Stellen, wie sie von der Offenheit und der Haltung christlicher Nächstenliebe ihres Elternhauses geprägt wurde und wie sich diese Haltung auch auf die Einstellung gegenüber dem Naziregime auswirkte. 1935 verließ Martha Klein Hankou und kam nach Deutschland, um hier die Schule zu beenden und anschließend zu studieren. Während des Krieges heiratete sie Paul Strasser, der 1971 an Kehlkopfkrebs starb. Seine Erkrankung veränderte ihre Lebenssituation grundlegend: Martha Strasser ließ sich zur Fachtherapeutin für Laryngektomie ausbilden und engagierte sich fortan in der Arbeit mit Kehlkopflosen. Schon 1968 war sie Mitbegründerin und später langjährige Vorsitzende des Bayerischen Kehlkopflosen-Verbandes. Dieses Engagement führte sie auch erneut nach China. Von diesen Reisen 1984, 1996 und 2005 sowie der Suche nach den Orten ihrer Kindheit berichtet der zweite Teil des Buches, der ausführlich und umfangreich ist. „Eine Kaufmannsfamilie in Wuhan“ ist leider etwas irreführend, zumindest deckt er sich nicht mit meinen Leseerwartungen. Es ist Verdienst des August Dressbach Verlages, diesen Zeitzeugenbericht ansprechend und mit zahlreichen Fotos und Abbildungen von Dokumenten versehen herausgebracht zu haben. Und wenn auch der Leser von den Namen der Kinder, Schwäger und Kindeskinder zuweilen verwirrt ist, so verzeiht man es der Autorin, denn sie hat „ihre“ Geschichte aufgeschrieben. Aber leider ist wenig Erhellendes über das Leben deutscher Familien in Hankou zu erfahren. Das Glätten mündlicher bzw. dialektgefärbter Ausdrücke und grammatikalischer Unsicherheiten hätten dem Buch sicherlich gut getan. Zeitzeuge ist eben noch keine Qualifikation. Doch trotz des mancherorts getrübten Lesegenusses ist es eine erstaunliche Geschichte, die die Autorin Martha Strasser hier aufgezeichnet hat.

von Peggy Kammes, Berlin


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StuDeO April 2010

Besprechung der Erinnerungen von Martha Strasser geb. Klein: Eine deutsche Kaufmannsfamilie in Wuhan/China


Diese Geschichte einer deutschen Familie in Hankow (heute Teil von Wuhan) zu lesen hat mich sehr bewegt, habe ich doch von Kindheit an immer wieder Berührungspunkte gehabt. Denn ich wurde Ende 1916 in Changsha, Hunan, als Tochter des deutschen Missionarsehepaars Steybe geboren. Solange die Bahnverbindung Changsha-Kanton-Hongkong (eigentlich Peking-Hongkong) noch nicht bestand, kam jeder Hunan-Missionar über Shanghai-Hankow den Yangtsekiang herauf. In Hankow wurde noch allerlei erledigt. Nach Chnagsha ging es dann weiter mit der Bahn oder mit dem Dampfer durch den Tungting-See (heute Dongting-See) in den Siangfluß, an dem Changsha (chin.langer Sand) liegt. Nur wenige Jahre gab es dort ein deutsches Konsulat. So war Hankow für uns alle in Hunan zuständig. Schon als Neuling meldete man sich beim dortigen Konsulat an. Alle Hochzeiten wurden dort standesamtlich vorgenommen, alle Geburten dort gemeldet. Otto Klein war uns bekannt als ein „christlicher deutscher Kaufmann“. Immer wieder hörte man, wann und wie er jemand geholfen hatte. (…) Der zweite Teil des Buches ist so ganz anders, aber ich möchte fast sagen, er zeigt etwas von der Saat, die die Eltern Klein gesät haben und die bei den Kindern aufgegangen ist, besonders ersichtlich bei der jüngsten Tochter Martha. Durch die Kehlkopfkrebserkrankung ihres Mannes Paul Strasser 1957 wurde es für sie, wie mir beim Lesen scheint, zu einer Verpflichtung, sich aus vollen Kräften zur Verbesserung der Lage von Laryngektomie-Behandelten einzusetzen. (…) Ich hoffe, mit diesen Ausführungen und Erinnerungen manchem Leser Lust gemacht zu haben, das Buch zu erwerben. Es enthält ja noch so viel weiteres Interessante. Nicht zuletzt für die Kinder, Enkel und spätere Nachfahren der Familie wird es einmal ein wahrer Schatz sein. (…)

von Bertha Kleimenhagen


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Chinesische Handelszeitung

Auf der Suche nach den Wurzeln in China
von Zi Xiu


Kürzlich hatte ich die Ehre, ein interessantes Buch zu lesen. Nimmt man es in die Hand, erregt zunächst der ungewöhnliche Einbandentwurf Aufmerksamkeit. Darauf ist eine respekteinflößende buddhistische Figur gemalt: Das Buddha-Gesicht ist ruhig und gelassen, liebevoll und gütig. Der Körper ist in eine große rote Mönchskutte (Kasaya) gehüllt. Davor steht ein Weihrauchgefäß, aus dem sich der duftende Rauch kräuselt. In der oberen rechten Ecke des Buches steht in vier chinesischen Zeichen „Buddha des langen Lebens“. Beim ersten Anblick könnte man meinen, dass es sich um ein altes chinesisches Buch handele oder um das Werk eines Buddhisten. Aber der Buchtitel macht sogleich deutlich, dass es in deutscher Sprache geschrieben ist: „Eine Deutsche Kaufmannsfamilie in Wuhan/China“, erschienen im August Dreesbach Verlag vor gerade erst drei Wochen. Die Autorin ist die Deutsche Martha Strasser. Diese Frau ist in China geboren, wo sie ihre ersten unvergesslichen vierzehn Lebensjahre verbracht hat zusammen mit ihren beiden älteren Schwestern Ruth und Gretel. Martha wuchs dreisprachig auf. Zu Hause sprach man Deutsch, in der Schule und mit den Freunden in der Umgebung Englisch. Die Hausangestellten, insbesondere die chinesischen Kinderfrauen, sprachen natürlich mit den Kindern des Hauses Chinesisch. Aus dem, was man in der Kindheit lernt, zieht man ein Leben lang Nutzen, sagt Frau Strasser. Auch nach so vielen Jahren schenkt sie der Zeit in Wuhan noch viel Aufmerksamkeit, erinnert sich an damals, als sie die Gespräche der dortigen Menschen mühelos verstehen konnte! „Ich fühlte mich noch immer sehr verbunden mit dem Land China und seinen Menschen, da ich mich als Kind bis zum 14. Lebensjahr dort sehr wohl gefühlt habe. Meine Eltern haben mir durch ihre Haltung und christliche Zuwendung zu allen Leuten in ihrer, unserer Umwelt vorgelebt, wie ein friedliches Zusammenleben fremder Rassen und Kulturen möglich ist.“ Dieses Selbstbekenntnis steht im Vorwort zu ihrem Buch. Natürlich hat sie dabei auch an die Kinder und Enkel gedacht, die darüber hinaus verstehen sollen, welches Leid sie und ihr Mann später in Deutschland überstehen mussten, wie sie den Lebenskampf gemeistert haben. Aus dem, was man in der Kindheit lernt, zieht man ein Leben lang Nutzen, sagt Frau Strasser. Auch nach so vielen Jahren schenkt sie der Zeit in Wuhan noch viel Aufmerksamkeit, erinnert sich an damals, als sie die Gespräche der dortigen Menschen mühelos verstehen konnte! Ihr Mann, Herr Strasser, (erkrankte) an Kehlkopfkrebs. Nach der Operation wurde das Sprechen zu einem Problem. In dieser schwierigen Lage nahm das Paar allen Mut zusammen, um die Herausforderungen des Lebenskampfes zu meistern. Sie gründeten den Bayerischen Verein der Kehlkopflosen, und Frau Strasser lernte nicht nur selber sich mit den Patienten zu verständigen, sondern sie lehrte auch andere Menschen, wie man mit dem Ösophagus (Speiseröhre) Laute hervorbringen kann. Die schwierige Notlage hatte sie in eine Spezialistin verwandelt. Als 1971 ihr Ehemann starb, fühlte sich diese willensstarke Frau nicht entmutigt. Vielmehr nahm sie noch entschlossener die Bürden des täglichen Lebens und des Berufs auf sich. Einerseits kümmerte sie sich zu Hause um die Kinder, andererseits unterrichtete sie an der Münchner Universität und hielt Vorträge. Außerdem fungierte sie für den Bayerischen Kehlkopflosenverein als Generalsekretärin. Einen bemerkenswerten Erfolg konnte sie 1980 erleben, als ihr das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde! (…)
(Übersetzung aus dem Chinesischen: Irene Wegner)


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